Pädagogisches Konzept

 

Wer wir sind

Unsere elf Kallamatsch-Kinder im Alter von 18 Monaten bis 3 Jahren können sich in unseren Räumlichkeiten (Gruppenraum, Malraum, Küche) und einem großen Garten individuell entfalten. Die Mädchen und Jungen haben bei uns Raum zum Spielen, Toben, Basteln, Lernen, Träumen – und erfahren sich im Zusammensein mit anderen sowie ihren Lebensraum in vielfältigen Situationen. Eltern bieten wir die Chance, sich aktiv an allen Belangen einer Initiative zu beteiligen und somit nah am Alltag der Kinder und ihrer Entwicklung zu sein.

Unser festes Team besteht aus zwei staatlich anerkannten Erzieherinnen und einer Sozialassistentin mit gemeinsamen und verschiedenen Schwerpunkten. Diese Unterschiedlichkeiten sehen wir als Bereicherung der pädagogischen Arbeit. Zusätzlich wird das Team alljährlich von einer FSJ-Kraft unterstützt; Praktikanten bieten wir die Möglichkeit, in unserer Einrichtung mitzuarbeiten.

Die Fort- und Weiterbildung ist dem Team ein großes Anliegen; daher werden mindestens drei Studientage genutzt, um sich weiterzubilden und die Arbeit aufzuwerten. Auch der Austausch im Kindergruppenalltag durch die facettenreichen Beobachtungen ist wichtiger Bestandteil der Arbeit im Team.

Mit den Eltern im Gespräch zu sein ist für die Erzieherinnen sehr wichtig. Der Austausch mit ihnen als Fachleuten für ihr Kind hilft, die Kinder in ihren Verhaltensweisen zu verstehen und ihnen sinnvolle Unterstützung zukommen zu lassen.

 

 

Wie wir arbeiten

Die pädagogische Arbeit in der Kallamatsch basiert auf dem Situationsansatz. Hier wird davon ausgegangen, dass bereits Kinder in der Altersgruppe der Ein- bis Dreijährigen in der Lage sind, ihre Entwicklung selbst zu steuern. Ihnen wird zugetraut, selbstbestimmt die Verantwortung für ihr Wohlbefinden und ihre eigene Zufriedenheit zu übernehmen, als Akteure ihrer eigenen Persönlichkeitsentwicklung.

Die Kallamatsch bietet dafür den Rahmen. Hier finden die Kinder vielfältige Möglichkeiten zur Selbstentfaltung und zur altersgemäßen Entscheidungsfreiheit. Um ihre Ich-Kompetenz entwickeln zu können, erhalten sie Aufmerksamkeit und Unterstützung bei der Entwicklung ihrer Selbstständigkeit, Selbstwahrnehmung, Sinneswahrnehmung, Sprach- und Kreativitätsentwicklung, ihres Problemlösungsverhaltens, der Entfaltung individueller Anlagen sowie bei der Schulung von Konzentrations- und Lernfähigkeit. Die Kinder lernen, ihre eigenen Gefühle, Bedürfnisse und Interessen zu identifizieren und auch sprachlich zu vertreten.

Die Lernpsychologie belegt, dass Kinder (und Erwachsene) besonders dann lernen, wenn sie ihre eigene Lerngeschichte durch Interessenschwerpunkte mitbestimmen.

Der Lernprozess bezieht sich zum einen auf den Erwerb sozialer Fähigkeiten, andererseits enthält der Situationsansatz aber auch ausdrücklich einen weiter greifenden Lernanspruch. Lerninhalte werden aus sogenannten "Schlüsselsituationen" abgeleitet, aus denen sich jeweils Projekte ergeben, in denen die Kinder ihre Sachkompetenz – ihr Wissen von den Dingen der Welt – erweitern können.

 

 

Umwelt und Gesundheit sind uns sehr wichtig

 

 

Die Kallamatsch begleitet die Kinder dabei selbstständig zu werden, um sich in der Erwachsenenwelt orientieren zu können. Als Erziehungsschwerpunkte stehen dabei insbesondere Umwelt und Gesundheit im Blickpunkt.

Sowohl die Pflege der eigenen Person (Hände waschen, Zähne putzen) als auch die Pflege der Umgebung (aufräumen, Tisch decken, im Garten liegende Äpfel aufsammeln, Pflanzen gießen) sind altersgerecht einbezogen. Das Üben dieser alltäglichen Beschäftigungen hilft den Kindern, sich im Alltag zurechtzufinden. Das Anfordern von Unterstützung, um einen selbstständig begonnenen Prozess zu vollenden (zum Beispiel Brot schmieren, Schuhe an- und ausziehen) gehört zu den Übungen des Alltags.

Kinder sind kreativ. Sie nehmen ihre Umgebung mit allen Sinnen wahr. Unterschiedliche Möglichkeiten helfen ihnen, sich auszudrücken und mitzuteilen. Musik, Malen, Bewegen, Gestalten, Darstellen – all dies erleben und erproben unsere Kinder im Kindergruppenalltag.

 

 

Ein Schwerpunkt unserer Arbeit: Der Garten

Die Kindergruppe verfügt über einen schönen und großen Garten. Etwa drei Viertel des Jahres liegt der Schwerpunkt der täglichen Arbeit darin, gemeinsam mit den Kindern Gemüse, Blumen, Kräuter und Obst anzubauen und zu säen. Damit alles gut wachsen kann, muss der Garten auch gepflegt werden. Die Kinder unterstützen die Erzieherinnen beim Gießen und Unkrautzupfen und die Eltern beim großen „Garteneinsatztag“.

Später im Jahr wird das Obst aus dem eigenen Anbau gegessen oder getrocknet, Gemüse wird geerntet und als Rohkost zum Mittagessen gereicht. Blüten werden gepflückt und für den Tee getrocknet. Zum Frühstück gibt es frische Kräuter und Kindertee aus eigener Ernte. So werden unsere Kinder kleine Gartenfachleute, die ihren Eltern Ringelblumen, Lavendel und Fenchel zeigen können.

 

 

Den respektvollen Umgang miteinander üben

Umgangsformen untereinander können von den Kindern erprobt und geübt werden, um ein rücksichtsvolles Miteinander zu erfahren und Freundschaften zu schließen.

Ein offener, warmherziger und liebevoller Umgang miteinander unterstützt die Akzeptanz und das Einhalten von Gruppenregeln. Einen Standpunkt vertreten mit dem „Nein“-Sagen, die Konsequenz daraus zu erfahren und lernen, damit umzugehen – das ist ein wichtiger Bestandteil in der Beziehungs- und Konfliktfähigkeit. Auch hier erhalten die Kinder Unterstützung in unserer Kindergruppe.

Sozialverantwortliche Verhaltensweisen sind in der Kallamatsch ein zentrales Erziehungsziel. Im täglichen Freispiel wird der respektvolle Umgang miteinander sowie sinnvolles Konfliktverhalten geübt, unterstützt und verselbstständigt.

Gruppenregeln werden nicht nur erklärt, sondern wenn möglich aus der Situation heraus mit den Erzieherinnen neu entwickelt und festgelegt. Kinder und Erzieherinnen nutzen den täglichen Mittagskreis unter anderem als gemeinsames Forum, um Absprachen über Regeln und Grenzen zu treffen, aber auch um Fingerspiele und Reime gemeinsam zu ritualisieren. Die Entwicklung und Stärkung der Sozialkompetenz des Kindes stehen hierbei im Vordergrund.

 

 

Der erste Kontakt: Wie wir die Eingewöhnung gestalten

Die Eingewöhnung in der Krippe ist ein Prozess, an dem Kind, Eltern und Erzieherinnen beteiligt sind. Das Kind wird mit viel Neuen und Unbekannten konfrontiert. Daher ist es uns wichtig, dem Kind und den Eltern eine individuelle Eingewöhnung zu bieten. Wir möchten ihnen genug Zeit geben, Vertrauen aufzubauen, um sich lösen zu können. Dies bietet ein gestaffelter Einstieg, bei dem sich eine Erzieherin auf das Kind und seine Eltern konzentrieren kann. Das Team beobachtet, nimmt langsam Kontakt zu dem Kind auf und entscheidet gemeinsam mit den Eltern über den ersten „Abschied“. Die Trennungszeit wird dann nach und nach erweitert, bis das Kind den ganzen Tag alleine in der Kindergruppe bleibt.

 

 

Die Rolle der Eltern

Wir legen viel Wert auf die Mitarbeit der Eltern und den Austausch untereinander. Die Eltern sind die Arbeitgeber, sie entscheiden, welche Ernährung die Kinder bekommen, erarbeiten gemeinsam mit den Erzieherinnen das pädagogische Konzept und machen Vorschläge für die Gestaltung des Kindergruppenalltags.

Zu diesen Rechten gehören natürlich auch Pflichten. Eine Kindergruppe als Elterninitiative funktioniert nur, wenn die Eltern Verantwortung übernehmen und engagiert mitarbeiten: Kochen, Garten- und Vorstandsarbeit sowie die Unterstützung des pädagogischen Teams. Von allen Eltern wird ein gewisses Maß an zeitlichem und emotionalem Engagement erwartet.

Einmal monatlich finden Elternabende statt, auf denen organisatorische und auch inhaltliche Fragen geklärt werden. Zweimal im Jahr gibt es Gartenarbeitswochenenden, an denen alle Eltern gemeinsam den Spielraum für ihre Kinder gestalten und verschönern. Highlights im Kindergruppenjahr sind ein gemeinsames Wochenende mit allen Familien, Laternenfest, Sommerfest sowie die Weihnachtsfeier. So entsteht eine Gruppe von Erwachsenen und Kindern, die sich auch untereinander helfen oder sich darüber hinaus sogar privat treffen. Die Eltern können nachvollziehen, wie der Alltag im Kinderladen aussieht, weil sie ihn selbst erleben oder in vielen kleinen Gesprächen mit den Erzieherinnen beim Holen und Bringen die Befindlichkeiten der Kinder analysieren.

 

 

Ein Tag in der Kallamatsch: Unser Tagesablauf

Der Tagesablauf in der Kindergruppe orientiert sich wesentlich an den Grundbedürfnissen von Kindern im Alter zwischen eineinhalb und drei Jahren. Täglich wiederkehrende Rituale geben den Kindern Sicherheit und vermitteln ihnen Verlässlichkeit. Für Kleinkinder sind Rituale wichtig, da sie ihnen ein Zeitgefühl ermöglichen.

 

7:30 bis 9:00 Uhr

Die Kindergruppe öffnet um 7:30 Uhr. Bis zum gemeinsamen Frühstück um 9:00 Uhr sollten alle Kinder eingetroffen sein und die Eltern sich verabschiedet haben Die Erzieherinnen begrüßen die ankommenden Kinder und Eltern und begleiten bei Bedarf den Abschied der Kinder von den Eltern. Während dieser Bringzeit spielen die Kinder frei. Eine Erzieherin bereitet das Frühstück in der Küche vor.

 

9:00 bis 11:45 Uhr

Um 9:00 Uhr beginnt das gemeinsame Frühstück in der Küche. Nach dem Zähneputzen gibt es die Möglichkeit, frei zu spielen oder an einem Angebot teilzunehmen. Anregungen der Kinder werden – wenn machbar – spontan umgesetzt.

Der Garten bietet den Kallamatsch Kindern viel Raum für ihre Aktivitäten. Auch sieht man die Gruppe, mit dem Bollerwagen unterwegs, kleine Ausflüge in den Bothfelder Wald oder zu den umliegenden Spielplätzen machen. Am späteren Vormittag gibt es immer eine Obst-Zwischenmahlzeit.

Die Eltern sorgen für geeignete Kleidung: Gummistiefel, Regenhose und Regenjacke, Schneeanzug im Winter, Sonnenhut im Sommer. Vor dem Mittagessen wird gerne noch ein Stuhlkreis gemacht.

 

11:45 bis 13:00 Uhr

Ab 11:45 Uhr wird der Gruppenraum für den Mittagsschlaf der Kinder vorbereitet.

In der Küche ist die Vorbereitung des Mittagessens im Gange, das die Eltern reihum für die Gruppe mitbringen. Die Ideen für eine gesunde Ernährung werden vorher für alle anderen ersichtlich in einen Kochkalender eingetragen, um Abwechslung sicherzustellen. Beim Verteilen des Nachtischs und beim Abräumen der Tische helfen die Kinder.

 

13:00 bis 15:30 Uhr

Die Kinder halten Mittagsschlaf im Gruppenraum, bei dem eine Erzieherin die Einschlafphase begleitet. Die Kinder, die nicht schlafen, stehen nach etwa einer halben Stunde wieder auf und beschäftigen sich außerhalb des Gruppenraums. Die Kinder werden – je nach Vereinbarung mit den Eltern – von einer Erzieherin oder spätestens zur Abholzeit (14:30 bis 15:30 Uhr) von den Eltern geweckt.

 

 

 

Stand: September 2017

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